ich möchte von einer Langstreckentour erzählen, bei der ich mich nun unrettbar in meine Transalp verliebt habe.
Anlass war ein Benzingespräch bei einem Motorrradtreffen im Frühling, Zwei Kumpel haben mir von der "Iron Butt Association" erzählt. Die kommt eigentlich aus den USA und es geht um Langstreckentouren. Also so richtige Langstrecken.
Die Anfängertour ist der sogenannte "SaddleSore1600K". Gemeint ist eine zu fahrende Strecke von 1600Km (1000 Meilen) in unter 24h.
Klingt total abartig und wer macht so nen Mist überhaupt? Hm klingt genau nach einer Aktion die uns gefallen könnte.
Also kurzerhand das Internet, etc, konsultiert und die Planungen konnten beginnen.
Gegen Ende der Tour stellte sich heraus, dass Planung das mit Abstand wichtigste an der ganzen Tour ist.
Beim ersten SaddleSore steht grundsätzlich die Möglichkeit im Raum, dass man ab einem gewissen Zeitpunkt abbrechen muss. Mir fehlten bis dahin die Erfahrungen mit wirklich langen Touren. Die obligatorischen 450km auf zwei Bier in den Ruhrpott waren das längste. Also war das komplette Campingbesteck (Zelt, Schlafsack, Isomatte, etc) dabei. 5kg Gewicht die ich mir hätte sparen können.
Zusätzliche Probleme stellten sich beim Moped. "Elfriede die Zweitaktkuh" ist eine 88er Transe mit inzwischen 95tkm. Gekauft habe ich sie von einem Langstreckenfahrer, der mir zwar mitteilte, dass sie einiges an Öl verbraucht aber das ganze doch etwas herunterspielte. Jedenfalls habe ich insgesamt 4Liter Motoröl mitgenommen. Und das Öl musste nun sauber im Koffer verstaut werden und dann tropffrei aber vor allem zügig (die Zeit drängt, wir müssen weiter!) am Sturzbügel vorbei in den Motor gelangen.
Dazu kam noch die eher mäßige Reichweite der Transe (max 180km bis zu Reserve).
Die Streckenplanung erfolgte über GoogleMaps. Eigentlich sollte eine TomTomAPP herhalten aber die versagte komplett. Irgendwann brauche ich da mal was anständiges.
Und vor zwei Wochen ging es dann auf einmal ganz schnell. Es kam eine neue Arbeit, ein neuer Wohnort und das alles innerhalb von kürzester Zeit. Die zwei Wochen Leerlauf zwischen neuer und alter Arbeit standen schnell als Zeitfenster für den SaddleSore fest.
Genauer Termin war der 19.06-20.06. Mittwoch Abend und die Nacht durchfahren und dann am Donnerstag (Feiertag) mit LKW-Fahrverbot über die Autobahn juckeln.
Startpunkt war ein Autohof im Mittelfränkischen (Herrieden) gegen 1930Uhr. Von da ging es 180km zur ersten Station Richtung Jena. Nach langem überlegen habe ich mich gegen die (sicherlich) wasserdichte Textilkombi entschieden und die (hoffentlich wasserdichte) geliebte zweite Haut, die Lederkombi angezogen. Auf der dritten Etappe fing ich an das leise zu bereuen, denn auf dem Weg nach Magdeburg fuhr ich einer Gewitterfront hinterher, die nach Norden zu fliehen schien. Überall Blitze aber zum Glück blieb ich (vorerst) trocken.
Beim ersten Stop lösten sich dann auch die Träume von einem schnelle Tankstopp in Wohlgefallen auf. Die motivierte Kassenkraft versuchte verzweifelt eine Sprachbarriere zu überwinden, als sie einer Gruppe LKW-Fahrer das Parksystem erklärte. Ich hatte es dann natürlich eilig und fuhr nach 15min wieder auf die Bahn. Nur um 15min später wieder abzufahren, weil ich in all der Hektik das Motoröl vergessen hatte. Also raus, Koffer auf, Ölflasche aus der Tüte, Einfüllstutzen auf die Flasche, nachfüllen, alles wieder einpacken und weiter. Mist schon wieder 5min verloren.
Dann der zweite Dämpfer. Verdammt, die Tachobeleuchtung ist ja immer noch defekt. Die ist beider ganzen Planung untergegangen. Naja eine Birne geht ja noch also sehe ich zumindest den Drehzahlmesser ab ca 4T Umdrehungen aufwärts. Also habe ich kurz mal die gängigen Geschwindigkeiten mit der Drehzahl verglichen. Ziel sind 5T-6T Umdrehungen. Baustelle ca 4-4,5T.
Um ehrlich zu sein, habe ich die Bleuchtung immer noch nicht gemacht. Ich weiss ja nun wie es geht

Die ersten 600km waren die schlimmsten. Man fährt einfach diesem riesigen Batzen von Kilometerleistung hinterher und knabbert Stück für Stück ein paar Km runter.
Von Magdeburg westwärts auf die A2. Hoffentlich würde das Gewitter weiter nordwärts ziehen und ich würde verschont bleiben. Pustekuchen! Bereits nach kurzer Zeit fing der Regen und die Gischt an. Aber es blieb alles im Rahmen und die Kombi hielt (vorerst) dicht.
Nur der Blick auf das Navi verhieß nichts gutes. Geplant war ein Abstecher von 40km auf die A7 Richtung Norden (Bremen?). Aber je länger ich fuhr, desto länger wurde die noch zu fahrende Zeit. Also A2 Lehrte abfahren und umplanen. Lieber auf die 80km verzichten und gleich nach Süden Richtung Frankfurt. Eine Baustelle nach der anderen, zum Glück ging wenigstens das Verkehrskonzept auf. Wenig bis gar kein Verkehr durch die Nacht.
Zwischendurch wieder eine Unterbrechung. Wie ein heißes Messer bohrte sich nach der Pause eine Frage in meinen Kopf. "Scheiße.... hast du den Öldeckel wieder festgeschraubt?" In der Dunkelheit mal kurz nach unten gelangt. Klar, dass ich mir den Handschuh am Auspuff ruiniert habe. Also abfahren. Und direkt auf eine mehrspurige Bundesstraße. GNAAAAA keine Haltemöglichkeit. Natürlich war alles in Ordnung, also wieder umdrehen und die unnützen Km abschreiben. (die werden ja nicht gezählt).
Je länger die Tour dauerte, desto greifbarer wurde das Ziel von 1600km und desto mehr Spass machte es auch. Die Müdigkeit hielt sich in Grenzen, einmal machte ich direkt 20km nach einem Stopp wieder eine Pause. Dreimal ums Moped gejoggt und weiterfahren. Ein wichtiger Teil der Tourenvorbereitung ist die Weiterbildung auch eben über das Thema Müdigkeit.
Um 0621 war es der Rasthof Wetterau West, der nach knappen 1000km die erste große Pause zuließ.
1000km in knappen 11Stunden. Insgeheim wurde ich größenwahnsinnig und spielte mit dem Gedanken, gleich die 2000km zu fahren. Jegliche Hektik bei Tankstopps habe ich bis dahin abgelegt. Bloß nicht hetzen.
Ab ins Saarland. Rasthof Homburg/Saar gab es dann eine Wende und es ging zurück, über die A6 nach Osten.
Und jetzt wurde es kniffelig, denn ab da hatte ich die Planung schleifen lassen, da ich ja garnicht damit gerechnet hatte, dass es wirklich zu schaffen sei. Es gab nur die kurze Überlegung, nach Ingolstadt zu fahren und von da noch ein paar Km rumzugurken. Allerdings fehlten mir jetzt nun die 80km die ich auf der A7 abgekürzt hatte. Also weiter planen. Ab dem Kreuz Weinsberg fuhr ich dann ziemlichen Mist über Landstraßen nach Ingolstadt. Meiner Frau hatte ich inzwischen eine Standortüberwachung per GoogleMaps geschickt, weil es mir zu anstrengend war, mich ständig zu melden. "Ich dachte du fährst über Satteldorf nach Hause und auf einmal entfernst du dich wieder"
In Ingolstadt dann die zweite große Pause und endlich mal einen Kaffee und eine Zigarette. Ich hatte mich zwischenzeitlich über jedes Auto gefreut, dass vor mir eine Kippe aus dem Fenster warf, nur dammit ich mal einen halben Atemzug den Gedanken einer Zigarette hatte. Mann Mann Mann
Jedenfalls wurde die Planung nun wirklich kompliziert. Knappe 1500km waren geschafft. Tatsächlich reichen aber 1600km nicht aus, da nur die Strecke anerkannt wird, die zwischen den nachgewiesenen Stops (Foto vom Tacho mit der Quittung) liegt. Und zwar die kürzeste, sinnvolle Strecke. Deswegen bin ich auch fast nur Autobahn gefahren. Ich wollte auf jeden Fall eher 1700-1800km fahren um auch auf Nummer sicher zu gehen. Immerhin soll es ja ein offiziell beurkundeter Lauf werden.
Also ab A9 Richtung Nürnberg. Von da aus Bundesstraße nach Weißenburg. Da irgendwo dann der Triumph. 1600km YEAH!!! Schon ein tolles Gefühl.
Nun noch den "Sicherungskilometern" hinterher. Das wurd schwer, weil man jede Strecke nur einmal fahren darf. Und so langsam ging mir die (Bundes-)Straße aus. Dann in Gunzenhausen der absolute Tiefpunkt. Ein Unwetter wie ich es bisher auf dem Moped noch nicht erlebt habe. Es fing an zu schütten, was nur ging. Innerhalb von wenigen Sekunden waren meine komplette Kombi und meine Knochen darunter durchnässt. Dann gesellte sich auch noch Hagel dazu. Das hat ganz schön weh getan. Die Straße war fingerdick mit Eis belegt. Also runter von der Bundesstraße, Richtung Stadt und ab unter die Brücke beim Bosch. Nur dass die schon mit Autos voll stand. War ein ganz schöner Kampf, bevor ich da drunter durfte. ("SCHEI* AUF DEIN VERF****** AUTO DU A*** DAS TUT WEH!")
Nach einer viertel Stunde war zumindest der Hagel abgezogen und alle meine Motovation mit dem Regen im Gulli verschwunden. Also schnell die 17km nach Hause, egal ob das jetzt für den SaddleSore gereicht hat. War eher nicht so geil, mit gelochten Sommerhandschuhe und Eisfeldern am Wegesrand.
Noch ein dummer Spruch in der letzten Tankstelle in Bechhofen und heimwärts. Hier zeigte sich das schöne an der Google Standortübermittlung. Meine Frau hatte derweil das Scheunentor geöffnet. Absteigen, Smartphone und Tankbelege sichern und ab unter die Dusche.
Angeblich bin ich nach 15sek auf der Couch eingeschlafen. Kann ich aber so nicht bestätigen

Tjaa und nun warte ich ungeduldig auf die Bewertung meiner Tour.
Fest steht, dass Elfriede ihren ölfressenden Motor behalten darf. Ich hab gerade mal 2,7l Öl auf 1700km nachgefüllt. Ich denke, dass das durchaus im Rahmen ist

Sie läuft so schön zuverlässig. Und irgendwie kommt dann doch das Kind im Manne durch. Gelegentliche Rußwolken bei freier Beschleunigung. Herrlich assozial.