Bei unseren großen Touren meiden wir meist die großen Städte ... wir wollen möglichst viel von Land und Leute sehen.
Eines Nachmittags fuhren wir direkt in ein Gewitter ... der Himmel vor uns war schwarz, starker Wind kam auf, in der Ferne blitzte es schon. Also beschlossen wir unser Zelt etwas abseits der asphaltierten Straße aufzuschlagen.
Wenige Minuten später kam ein weißer 2er Golf vorbei, der uns deutete, dass wir hier nicht zelten sollten und ihm folgen sollten. 5 erdige und zerfurchte Kehren standen wir vor dem Haus des Fahrers. Aussen wirkte es wie ein Bungalow bei uns. Er gab uns zu verstehen, dass wir bei ihm die Nacht verbringen sollten. Und wollte uns zeigen, wo er für uns eine Bettstatt hätte. Natürlich wollten wir nicht mit unseren dreckigen Endurostiefeln in den wirklich schön verfliesten und pikobello sauberen Flur gehen. Allerdings hatten wir unsere Socken schon mehrere Tage an, und der Geruch den die Socken verströmten wäre sicherlich "würzig" gewesen. Nun, mit Händen, Füßen und einem freundlichen Gesicht gaben wir ihm diesen Umstand zu verstehen. Und ein paar Augenblicke später stand die Frau des Hauses mit frisch gewaschenen Socken da, die sie uns zum Anziehen anbot.
Dann führte uns der Herr des Hauses zu den vorgesehenen Schlafstätten ... wir hätten getrennte Schlafzimmer gehabt

Dann zeigte er uns das Bad ... das schien jedoch noch aus dem 19 Jhdt. zu stammen. Gestampfter Lehmboden, unverputzte Ziegenwände, aus einem Rohr in der Wand floß Wasser heraus, dass direkt in die Klomuschel plätscherte. Dazwischen, aber ohne Becken hätte ich mir dann die Zähne geputzt.
Nachdem das Gewitter sich inzwischen verzogen hatte, wir eigentlich noch ein paar Kilometer geplant hatten und wir dem Herr des Hauses nicht klarmachen konnten, dass wir eigentlich nur einen Platz für unser Zelt bräuchten versuchten wir uns aus der Schlinge der überbordenden Gastfreundschaft zu befreien - allein die sprachliche Barriere war quasi unüberwindbar.
So griff der Herr des Hauses zu seinem Handy und rief jemanden an, von dem er ausging, dass er Englisch spräche. Aber das Englisch der Gegenstelle und mein Englisch fanden nicht zusammen.
Gott sei Dank gab es im Haus auch noch kleine Kinder ... also zog meine Frau eine Packung Mannerschnitten aus der Tasche, gab sie den Kindern und wort- u. gestenreich machten wir uns aus dem Staub.
Unfreundlich waren in diesem Fall bestenfalls wir, aber keinesfalls die vermeintlichen Gastgeber. Ähnliche G'schichteln könnte ich noch ein paar erzählen ... obwohl wir nur vier Tage in Albanien waren und eigentlich nur das nördl. Drittel bereist haben.
Wie ich überhaupt weder über Unfreundlichkeit noch über Arroganz im Umgang mit den Albanern berichten könnte.
Auch Misstrauen schlug uns nicht entgegen ... aber, wenn man sich die Geschichte des Landes und deren Einwohner vor Augen führt, dann ist es wahrscheinlich klug, wenn man etwas andere Maßstäbe anlegt.
Aggressives Betteln von Kindern findet man nicht nur in Albanien. Das findet man genauso in Rumänien oder auch Bulgarien. Im Kosovo und Mazedonien werden wir heuer Erfahrung sammeln.
"Angelika" schrieb:Aber wie gesagt, ich bin dezidiert KEIN Offroader und ich meide solche Straßen, wenns geht.
Wenn man Schotterstraßen fährt, ist man eh kein Offroader. Man fährt genauso Straßen, nur halt mit einer anderen Oberfläche. Und vielleicht solltet ihr mal die kleineren Straßen suchen um das wahre Gesicht von Land und Leute zu finden.
Nutten und Zuhälter haben wir in Albanien überhaupt nicht gesehen ... ich hätte geglaubt, die stehen eh alle in Wien am Praterstrich ... nein im Ernst, nach dem Vermoshtal haben wir im Schatten einer Felsgrotte gleich bei einer Marienstatue Pause gemacht ... wir hatten c. 35°C ... kaum hatten wir uns der Motorradklamotten entledigt und zu jausnen begonnen, blieb ein albanischer Mercedes stehen und reichte uns eine frisch abgefüllte Flasche mit gutem kühlem Wasser ... so haben wir Albanien kennen gelernt.
Aber natürlich gibt es auch Kritikpunkte ... und da bin voll und ganz bei Oggy. Der Müll der in Albanien neben und auf der Straße herumliegt und einfach überall zu finden ist, der ist wirklich schlimm.
Den Verkehr in Shkodra fand ich eigentlich ganz entspannt. Autos, Motorräder, Pferdefuhrwerk, Radfahrer, Fußgänger ... alles kann nebeneinander existieren, alles richtet sich nach dem langsamsten ... es gibt kein aggressives hupen ... panta rhei ... alles fließt ... ich fands cool.
Und AL sieht uns heuer wieder ... diesmal ist der Süden dran ... aber auch wieder der Norden. Das Valbonatal kennen wir noch nicht. Leider ist das offensichtlich inzwischen asphaltiert worden.
Naja, die EU steckt da auch Milliarden in das Land ... und als erstes wird das Straßennetz auf Vordermann gebracht ... leider!!!