Guten Abend
So, mein heutiger Tagesbericht .... das heutige Objekt meiner Tätigkeit war zuerst das Hinterrad.
Hier sind 3 Radlager zu tauschen ... 2x in der Radnabe, 1x im Antriebsflansch, auch Kettenradträger genannt.
Zu aller erst ist der Antriebsflansch vom Rad zu trennen. DIes geschieht durch einfaches abheben des Teils.
Darunter kommen dann die - in diesem Fall - 5 Ruckdämpfer zum Vorschein.
Diese Ruckdämpfer gehören übrigens auch alle 30k-50k km getauscht, da sie duch die ständige Beanspruchung kleiner werden, und somit das Spiel im Antriebsstrang größer wird und außerdem so wie jeder Gummi im Laufe der Zeit aushärten und damit die Dämpfung nicht mehr so funktioniert wie vorgesehen. Wenn die Verbindungen zwischen den einzelenen Segmenten reißen, so ist das wiederum kein Grund die Dämpfer zu tauschen.
Die Ruckdämpfer kann man ganz einfach rausheben.
Als erstes hab ich mich dem Kettenradträger gewidmet. Wie schon beim Vorderrad, den Wellendichtring vorsichtig heraushebeln. Dann kann man ihn wieder verwenden und erspart sich ein paar Teuros an den fHH. Weil auch dieser Wellendichtring hat ein Honda-Sondermaß, den man im freien HAndel so nicht bekommt-
Tja, unter dem Dichtring sah es dann so aus ... brrrrr
Zum Austreiben des LAgers dreht man dann den Antriebsflansch um, nimmt ein passendes Werkzeug - z.B. die schon bekannte 30mm Nuss (siehe Bild) und treibt das LAger mit ein paar kräftigen Schlägen aus seinem Sitz aus.
Wer jetzt meint, dass man das alte Lager einfach wegschmeißen kann tut sich KEINEN guten Dienst. In der inneren Lagerschale des eben ausgetriebenen LAgers steckt eine Reduzierhülse, die man für das neue LAger braucht um die Hinterradachse dann ohne Spiel durchführen zu können.
Die Hülse einfach mit einem passenden Durchschlag o.ä. aus der Lagerhülse austreiben.
Wenn alles auseinander ist, dann soll es so aussehen ...
Die eben angesprochene Hülse wird nun mit einem kräftigen Daumen oder einem sanften Schlag mit dem Gummihammer in das neue Lager eingetrieben ... auf welcher Seite ist grundsätzlich wurscht, jedoch sollte man Lager immer so einbauen, dass man die Bezeichnung lesen kann - dementsprechen ist auch die Hülse einzutreiben.
Tja, und dann hab ich mir mal wieder zu Nutze gemacht, dass sich eisgekühltes Material zusammen zieht und erhitzes MAterial ausdehnt .... das neue Lager ist ohne einen einzigen Hammerschlag bis zum Anschlag in seinen Sitz hinein gefallen.
Den Lagerdichtring ausßen leicht eingefettet und über dem Lager reingedrückt .... Antriebsflansch fertig!
Weiter gehts mit den Lagern in der Radnabe
Hier sieht man die Ausgangssituation - Lager und die Distanhülse sind in einer Flucht.
Mit einem großen Schraubenzieher bis an den oberen Rand der Distanzhülse reinfahren und seitlichen Druck ausüben.
Dabei verrutscht die Distanzhülse und gibt die Kante zum Austreiben des unteren Lagers frei.
Auf diese Kante setzt man dann das Werkzeug zum Austreiben des Lagers an ...
... und mit ein paar kräftigen Hammerschlägen ... naja, das kennt ihr ja jetzt schon ...
Die Distanzhülse wird entnommen ...
... und dann das andere Lager mit geeignetem Werkzeug ...
... ausgetrieben ...
Ein quasi fabriksneuer Lagersitz sieht dann so aus ...

Die gelben Flecken sind das Fett, das wahrscheinlich noch vom Hersteller eingebracht wurde.
Der Einbau der Lager erfolgt nach dem selben Prinzip wie bei der voran gegangenen .... Lagersitz erhitzen, Lager tiefkühlen ... beim Eintreiben darauf achten, dass sich die Lager nicht verkanten. UND, NICHT VERGESSEN, dass die Distanzhülse eingebaut wird bevor man das zweite Lager eintreibt.
Somit sind die Räder meiner TransAlp neu "beradlagert" ... das tauschen der Radlager hat ohne die Zeit für den Ausbau der Räder zu berücksichtigen ca. 1,5-2 Stunden in Anspruch genommen.
Der Nächste Schritt war, dass ich mich den Lagersitzen und dem auf den Lenkschaft aufgepressten Lager des Lenkkopflagers gewidmet habe.
Hier das Corpus Delicti ... vor diesem Arbeitschritt habe ich neben dem Auftreiben des neuen Lagers das meiste ungute Bauchgefühl ... weil da kanns wirklich hunzen.
Der Zustand dieses Lagers hat mich ehrlich erschreckt .. .das Lager war ziemlich schwergängig bzw. unbeweglich, die Lagerschale am unteren Ende des Steuerkopfes am Motorrad war verrostet ... kein Wunder dass ich mich nicht mehr wohlgefühlt hab. Zu den möglichen Gründen später mehr.
Erst einmal muss man das Lager runterbekommen, und das geht nicht so einfach wie bei den Radlagern.
Ersteinmal hab ich es mir einem Meißel versucht - auch um den Lagerkäfig in dem die Rollen gehalten werden zu zerstören, damit ich zur inneren Lagerhülse vordringe. Hier darf man nicht zu zimperlich sein.
Als das geschafft war, kam der Dremel mit einer Trennscheibe zum Einsatz. Mit der Trennscheibe fräste ich einen Schlitz in die Lagerhülse - ACHTUNG - nicht zu tief flexen, weil man sich sonst den Lagersitz irreparabel beschädigt.
In diesem Schlitz setzt man dann mit einem Meißel (wie man ihn für Mauerstemmarbeiten verwendet) an und zersprengt mit ein paar (wirklich) kräftigen Hammerschlägen die Lagerschale.
Die aufgesprengte Lagerschale kann man dann ganz einfach vom Lenkschaft runterziehen.
An der TransAlp sieht die Sachlage schon wieder viel einfacher aus, und zwar so ... hier der Lenkkopf von oben betrachtet ...
Und hier der Versuch, durch den Lenkkopf, von unten beleuchtet durch zu fotografieren - leider etwas unscharf. Man kann aber trotzdem die Kante erkennen, an welche man ansetzen muss um das untere Lager auszutreiben.
Und so nimmt man eine passende Stange und .... klopf klopf klopf
Zum Austreiben des oberen Lagers steckt man die Stange von unten in den Lenkkopf.
klopf klopf klopf
Grundsätzlich ist hier zu sagen, dass, je mehr man an Verkleidung etc. abbaut, umso leichter tut man sich bei dieser Arbeit - auch der Einbau des neuen Lagers und das einstellen des LAgerspiels geht leichter wie wenn man nur das notwendigste abbaut.
So, eigentlich wollte ich dann heute noch die neuen Lenkkopflager einbauen. DIe neuen Lager hab ich mir ja schon vor zwei Wochen beim Louis besorgt. Trotzdem hab ich mir dann nochmal die betreffende Technikseite
http://www.transalp.de/technik/reparaturen/lenkkopflager/angeschaut, und bin dann auf einen Misstand aufmerksam geworden.
Nämlich, dass bei den Louis Lagern die Innenschale nur einen DUrchmesser von 25 mm hat, der Lagersitz am Lenkschaft aber 26 mm aufweist. Dadurch erklärt sich auch die extreme Schwergängigkeit des alten Lagers, welches auch von Louis war und von mir vor zwei Jahren im Zuge des Fahrwerksumbaues montiert wurde.
Durch das aufpressen einer 25mm Lagerschale auf ein 26mm Lagersitz wird die Lagerschale entsprechend geweitet - dadurch werden die Rollen im Lagerkäfig gesperrt, und futsch ist die Leichtgängigkeit des Lagers.
So, und jetzt hab ich das Dilemma ... ich muss jetzt möglichst rasch ein passendes Kegelrollenlager auftreiben. Das originale Hondalager will ich nicht, weil das ist ja bekanntermaßen ein Kugelager.
Ich hab heute schon bei unserer SKF-Vertretung in Salzburg angerufen ... der hat bei der Lagerbezeichnung aus der Technikseite gleich gesagt, dass 3205 für ein Kegelrollenlager nicht stimmen kann sondern dass das 320
05 heißen muss. Aber das Problem ist das Maß der inneren LAgerschale mit 26 mm. Das ist, ihr werdet es kaum erraten wieder so ein Sondermaß. Aber er wird schauen, ob er sowas auftreiben kann.
Weiß jemand von euch, wo man so ein LAger auftreiben kann?