Erstmal Hallo zusammen.
Vor 2 1/2 jahren hab ich meinem Filius eine Transalp gekauft (70 TKm). Musste das ganz alte Modell sein, weil der Kerl ewig lange Unterschenkel hat und damit passt der auf kein modernes Motorad, bei dem die Knie in den Tank eingeformt werden sollen. Aber auf die 89er Transalp passt er perfekt. Sie wurde dann gleich gedrosselt und lief ganz gut - beim Beschleunigen "verschluckte" sie sich kurz, aber das führten wir auf die Drossel zurück.
Im Frühling kam die Drossel raus und da war erstmal alles soweit i.O. Sie hatte mal die eine oder andere Fehlzündung, aber das war auszuhalten. Da hatte sie fast 90 Tkm (ja, er fährt viel)
Mittlerweile läuft sie richtig schlecht. Springt gut an und ohne Last läuft auch alles. Aber sobald man damit fährt gehts los. Jetzt verschluckt sie sich richtig und bei gleichmäßiger Fahrt gibts richtige Aussetzer.
Also sind wir gerade dabei das Teil zu zerlegen - Ventile einstellen, Zündkerzen wechseln, Vergaser reinigen, was man eben so macht.
Vier grobe Auffälligkeiten:
Öl ist weg. Wir haben vor 300 km Öl aufgefüllt - der Peilstab ist trocken. Aber es gibt kein Öl am Motor oder auf dem Garagenboden und ginge die Menge durch den Auspuff, müsste es tiefblau aus dem Auspuff nebeln - aber das tut es nicht im geringsten.
Der Luftfilterkasten ist leicht ölig beschlagen - nicht nass, aber wenn man mit den Finger drüberwischt, ist das eindeutig Öl.
Der Stecker vom Regler (das Teil mit den Kühlrippen über der Batterie) ist verbrannt - ein Kabel ist schon komplett durch.
Zündkerzen sehen schlecht aus - Farbe stimmt halbwegs (rehbraun), aber nass und stark abgenutzt (die hatten wir noch vom Vorbesitzer drin, weil da ja so Sch... dranzukommen ist).
Aber die eigentliche Frage,weil ich mir das überhaupt nicht erklären kann ist ein Schlauch. Der kommt von den Vergasern (oben) wird zu einem Schlauch und später wieder über ein 90-Grad-Abzweigstück geteilt. Also jeder Vergaser hat ein kurzes Stück, dann werden beide kurze Stücke über ein T-Stück verbunden. Ein Schlauch läuft links entlang bis zum Radkasten und dort wird der Schlauch wieder abgezweigt. Beide Enden liegen aber einfach frei unter der Sitzbank - eins rechts und eins links vom Radkasten. Wo ist der Sinn? Wenn das Teil nur zum Entlüften o.ä. sein soll, wieso gibt es einen Abzweig? Oder müsste das irgendwo angeschlossen werden? War aber definitiv nicht, das würde man ja sehen ob ein Schlauch mal irgendwo aufgesteckt war.
Technik: Komischer Schlauch
- ich glaube, das ist so ne Art Druckausgleich zur Schwimmerkammer. Ich habe die bei mir auch genauso vorgefunden, weiß aber nicht ob das so gehört. Ich finde es auch unlogisch, dass der Schlauch sich teilt.
Ich fange auch grade erst an, an meiner Transe rumzuschrauben, da spar ich mir mal lieber Kommentare zu deinen anderen Problemen. Viel Erfolg noch! - Die Schläuche dienen zur Belüftung der Schwimmerkammern.
Da hier Kraftstoffdämpfe austreten können sind aus Sicherheitsgründen ihre Öffnungen weit weg von der Zündanlage verlegt.
Wenn der Motor nicht über den Radialdichtungsring am Kettenritzel Öl verliert hat er es verbrannt.
Über die äußeren Zündkerzenbohrungen mal mit einer Taschenlampe auf die Kolbenböden schauen.
Ist da schon viel ölfeuchte Ölkohle zu sehen ist der Motor im fortgeschrittenen Verschleißstadium.
Bei den alten Motorentypen sollen angeblich die Abstreifringe der Ventile nicht sehr lange halten.
Diese Motoren zeigen dann einen stark ansteigenden Ölverbrauch mit teilweise über einem Liter Öl pro 1000km.
Regelmäßiges beherztes Gashahnaufdrehen bei noch kalten Motor läßt die Kolbenringe schneller verschleißen.
Ein Kompessionstest liefert Indizien ob die Kompressionsringe schon stark verschlissen sind.
Ein gewisser Ölnebel im Luftfilterkasten ist normal.
Finden sich aber größere Ölmengen im Kasten und im Ablassschlauch für das Kondensat so herscht hoher Druck im Motor was auf stark verschlissene Kolbenringe hindeutet.
Wenn der Luftfilter auch nur leicht ölig ist muß er ersetzt werden.
Veröltes Filterpapier lässt keine Luft mehr durch und verursacht hohen Kraftstoffverbrauch und Leistungsverlust.
Für die Aussetzer kommen neben Zündkerzen und Vergasern auch der Benzinhahn mit seinen zwei Kraftstoffiltern in Frage.
Zugesetzte Filter drosseln den Bezinfluß.
Möglicherweise befinden sich auch Wasserblasen im Abscheider des Hahns und in den Vergasern.
Den dünnen Unterdruckschlauch auf Rissigkeit und Löcher untersuchen,ggf. frühzeitig ersetzen.
Benzinmangelerscheinungen kann auch eine verstopfte Belüftung im Tankdeckel hervorrufen. - OK, Sinn macht es schon, dass die Entlüftung in einem nicht explosionsgefährdeten Raum endet - aber wieso mit zwei Enden?
Das Ergebnis möchte ich euch auch nicht vorenthalten.
Durchgeführte Arbeiten:
- Vergaser zerlegt und gereinigt
- Ventile eingestellt (waren aber ziemlich i.O.)
- verbrannte Kabel ersetzt (abgezwickt und Kabelstücke dazwischengelötet)
- Zündkerzen ersetzt
Den Vergaser hatten wir eingestellt wie er vor dem Reinigungsvorgang war (daran hatten wir noch nie was gemacht) - 1,5 Umdrehungen zurück.
Dann Testfahrt: Verbesserung - kein/kaum Ruckeln bei gleichmäßier Fahrweise. Beim Beschleunigen keine Verbesserung. Dritter oder vierter Gang - Vollgas - ab 6000 U/min erhebliche Probleme.
Handbuch nachgeschlagen: Grundeinstellung Vergaser: 2 Umdrehungen zurück. So eingestellt - keine nennenswerte Änderung. 3 Umdrehungen zurück - wow, kein Vergleich. Jetzt zieht sie bis an den roten Bereich hoch, ohne Loch. Beim Beschleunigen aus 80 oder mehr kommt noch ein ganz leichter Verschlucker, das sind aber wohl noch Feinarbeiten. Sonst läuft sie jetzt richtig gut.
Es gibt nur ein sehr eigenartiges Phänomen. Hier mache ich aber einen neuen Post auf.