Da das hier ja das Off-Topic ist, will ich hier eine kleine geschichte loswerden, wie ich meinen vater wider "rehabilitiert" habe.
So weit ich mich zurück erinnern kann war mein vater immer sehr deprimiert. So richtig mit antidepressiva und so.
Die gründe waren sehr simpel: sein job als Zahnarzt hat ihn nie gefallen. Eigendlich währe er liebenst gerne Schauspieler geworden. In diversen kurzfilmchen meines bruders (seinerseits berufstätiger regisseur und kameramann) hat er auch durchwegs talent bewiesen und freude an der sache. Er wurde zahnarzt weil es mehr oder weniger von ihm verlangt wurde und jetzt wurmt er sich von einem tag zum anderen.
Über meine frau (die mal die gelegenheit hatte mit ihm zeit zu verbringen) habe ich dann erfahren (was er ihr zum ersten mal überhaupt jemanden gesagt hat, die beiden verstehen sich prima) dass er auch größtenteils an depressionen leidet weil er sich vorwürfe macht er hätte mich und meine brüder zu hart und zu streng erzogen und er sei ein schlechter vater. "wie bitte was?" war meine reaktion. Hier muss erwähnt werden dass ich das überhaupt nicht im geringsten so sehe. Ich fand die erziehung meines vaters eigendlich während meiner kindheit als normal und jetzt im nachhinein als irsinnig toll und habe mir sogar fest vorgenommen es mit meinen kindern auch so zu halten.
Da ich ihn nicht sehr gerne depressiv sehe (ich mag ihn sehr, wer sieht denn schon gerne leute die man gerne hat an depressionen leiden) hab ich mir vorgenommen etwas zu tun. Ich wusste nur noch nicht was.
Dann kan sein 50ter geburtstag. Ich hatte wenig ideen was ich ihm schenken könnte. Mit meiner mama hab ich mich dann beraten was man da tun könnte. Irgendwann hat sie so beiläufig erwähnt "eines seiner lebensziele war immerschon am großglockner rauf mit einem motorrad". (Anm.: das war genau in der woche in der ich meine Transalp gekriegt hab)
Stimmt! Er war ja früher sehr gerne und viel mit seiner Kawasaki KLE unterwegs!
Irgendwann hab ich ihn beiläufig gefragt warum er die denn nichtmehr hat. Seine antwort war "weil nur zur arbeit fahren dafür is es mir zu schade und so hab ich niemanden mit dem ich touren machen könnte.
Da viel dann der groschen bei mir.
Zum 50er solls auf den Großglockner raufgehn! Schnell nen onkel organisiert der seine Suzi DR650 herborgt und gut ist.
Die aktion war der volle erfolg! Noch nie hab ich ihn so strahlen sehn. Er war endlos glücklich und hat sehr oft (und tut immer noch) kundgegeben was für eine großartige idee das gewesen ist.
Ein paar wochen nach der tour fragte ich ihn ob er sich vorstellen könnte sich wider ein eigenes bike zuzulegen. Er meinte nur (wider in richtung depression tendierend) er habe niemanden zu fahren, nur arbeit zahlt sich ned aus, wirkte aber irgendwie unsicher. War er vielleicht doch schon am überlegen? Ich war mir da nicht so sicher. Er ist kein mensch der sich schnell zu so sachen umentscheidet, ich bin davon ausgegangen dass es wohl schwerer werden dürfte.
Als ich ihm vor kurzen meine pläne offenbarte mit ihm kommenden sommer mal auf motorrädern nach italien reisen zu wollen, so vater sohn mäßig klang er erst wider unsicher, fast wie ein kleines kind das sich nicht sicher ist ob die mami es erlaubt dass es mit seinen freunden spielen geht. Mir war klar da is meine mutter im spiel. Er macht quasi nix ohne sie vorher zu fragen. Zu meinem glück hat mama meine intentionen erkannt und hat ihm gut zugeredet.
Da dürfte es klick gemacht haben bei ihm.
Erst begann es unauffällig, er fragte mich woher ich meine klamotten habe, ich dacht mir noch nicht viel dabei weil die tour im sommer sollte schon geschützt gefahren werden.
Dann wurde es schlagartig eindeutig dass sich was bei ihm getan hat.
Er wollte wissen wo man am besten nach gebrauchten ausschau halten sollte. Auf meine gegenfrage ob er leicht was bestimmtes sucht kam ein "ich will mich schonmal orientieren" zurück.
Tags darauf hat er mich angerufen "30.5. bis 2.6. is ein verlängertes, lust auf ne tour irgendwohin?"
Spätestens jetzt glaube ich hab ich es geschafft ihn langsam wider auf die hellere seite des lebens zu kriegen :)
Meine mutter hat auch schon gemeint er würde in letzter zeit langsam immer fröhlicher wirken und sich wie ein kind dass sich auf weinachten freut auf unsere nächste ausfahrt freuen. Er hat sogar schon damit begonnen die antidepressiva abzusetzen :)
Diese freude färbt ab, ich bin sehr froh ihn wider lachen zu sehen :)
Off-Topic: Rehabilitation
- Find ich schön, dass Du diese Geschichte hier teilst...
Und ich freu mich für Dich, Deinen Pa und die ganze Familie. Wenn man etwas ändern will, wird man es auch schaffen. - sehr geile Geschichte, das ist der Stoff der das Leben lebenswert macht
hab auch son Dad aber sehr stur dazu mal sehen was bei dem noch geht
Danke für die Geschichte - Sehr schön! Und, nachdem hier auch Leute älteren Semesters aktiv sind (ich selbst bin 45), kann ich mir vorstellen, dass du ihn auch mal zu div. Stammtischen und Tages- bzw. Wochenendunternehmungen mitnehmen solltest.
- "Älteren Semesters"?
*hust* (Na gut, ich auch.)
@ Kaputnik:
Danke für die Geschichte und Respekt, dass Du sie erzählst. Kann ich gut nachvollziehen.